Ratgeber für Deutsch in der Grundschule
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Kurzgeschichten in der Grundschule

So lernen Kinder, kreative Kurzgeschichten zu schreiben 

Kurzgeschichten wirken einfach, doch meist steckt viel Planung dahinter. Wenn Kinder in der Grundschule Kurzgeschichten schreiben lernen, gehört dazu eine gute Vorbereitung. Erfahren Sie hier, was sowohl in der Schule als auch zu Hause für den Schreibprozess hilfreich ist.

Wie schreibt man eine Kurzgeschichte?

Manch ein erfolgreicher Schreib-Profi mag sich nur mit dem Funken einer Idee an den Schreibtisch setzen und daraus eine spannende Geschichte erschaffen – für die meisten und insbesondere die unerfahrenen Schreibenden ist das jedoch weit von der Realität entfernt. Kinder müssen zuerst verstehen, was Kurzgeschichten sind und welchen Mustern sie folgen.

Um Kindern zu vermitteln, wie das Schreiben von Kurzgeschichten funktioniert, sind Beispiele hilfreich: So können die zukünftigen Autorinnen und Autoren zunächst die Elemente einer Kurzgeschichte kennenlernen.

Vorlage: Kurzgeschichten schreiben

Eine typische Kurzgeschichte hat in der Regel folgende Merkmale:

  • Hauptfigur: Die Hauptfigur zeichnet sich oft durch ein einziges, aber wiedererkennbares Merkmal aus. Das Merkmal sollte für die Geschichte von Bedeutung sein. Vielleicht wird ein schüchterner Junge zum Klassensprecher gewählt oder eine Katze mit Angst vor Mäusen lernt eine Maus kennen.
  • Nebenfiguren: Wenn überhaupt Nebenfiguren auftreten, ist die Anzahl aufgrund der Kürze stark begrenzt. In Kurzgeschichten für die Grundschule tritt mitunter nur eine einzige Nebenfigur auf – oder auch gar keine.
  • Konflikt: „Konflikt“ bedeutet in diesem Zusammenhang nicht Streit, sondern eine Herausforderung oder ein Problem. Zum Beispiel könnte ein Mädchen sich vor einem wichtigen Sportwettkampf eine Verletzung zugezogen haben.
  • Ort: Kurzgeschichten bieten, anders als Romane, keinen Platz für viele Orte. In der Grundschule ist für eine Kurzgeschichte ein einziger Ort ausreichend.
  • Wendung: Kurzgeschichten mit überraschenden Wendungen beeindrucken und bleiben im Gedächtnis. Die Lesenden haben eine Erwartung, wie die Geschichte enden wird – doch dann passiert etwas Unvorhergesehenes.

Den typischen Aufbau „Einleitung, Hauptteil, Schluss“ kennen die Schülerinnen und Schüler eventuell bereits aus dem Deutschunterricht. Bei Kurzgeschichten gibt es dabei allerdings Besonderheiten zu beachten:

  • Einleitung: Die Einleitung einer Kurzgeschichte wird sehr kurz gehalten und enthält nur wenige Beschreibungen. Oft beginnt die Handlung direkt mit einer spannenden Situation.
  • Hauptteil: Im Hauptteil geht es darum, wie die Hauptfigur versucht, ihr Problem (ihren Konflikt) zu lösen. Wichtig: Selbst in einfachen Kurzgeschichten, die Stoff in der Grundschule sind, sollte diese Lösung nicht ohne Rückschläge oder Hindernisse ablaufen. Sonst geht die Spannung verloren.
  • Schluss: Kurzgeschichten enden häufig mit einem offenen Ende – an einer spannenden Stelle, mit einer Überraschung oder einer Frage, die offenbleibt. Ein Happy End oder ein tragisches Ende sind aber ebenfalls möglich.
  • All diese Aspekte sollten die Kinder kennen, bevor sie sich selbst am Schreiben von Kurzgeschichten versuchen. Es bietet sich an, Beispiele für Kurzgeschichten vorzulesen oder von den Kindern lesen zu lassen. So entwickeln sie ein Gefühl für Aufbau, Figuren und Konflikte.

Kurzgeschichten in der Grundschule schreiben: Tipps und Empfehlungen

„Ich weiß nicht, was ich schreiben soll!“ Diesen Satz haben vermutlich die meisten Eltern und Lehrkräfte schon gehört. Kein Wunder, denn Kurzgeschichten entstehen nicht aus dem Nichts. Mit diesen Tipps wecken Sie Inspiration und Schreibfreude:

  • Sammeln Sie gemeinsam spannende erste Sätze: „Plötzlich hörte Lena ein Flüstern aus dem Bücherregal.“ Oder: „Hilfe!“, rief die Maus. „Mein Käse ist verschwunden und ich brauche einen Detektiv!“
  • Führen Sie ein Brainstorming durch zu Hauptfiguren, die Spaß machen. Welche Person hätten die Kinder gern zur Freundin? Was finden sie spannend? Oder möchten sie vielleicht in der Ich-Perspektive über sich selbst schreiben?
  • Üben Sie mit den Kindern, Probleme zu komplizieren. Der Käse ist verschwunden – der Detektiv kommt zur Hilfe. Dann verschwindet der Detektiv selbst – was nun? Jetzt muss die Hauptfigur selbst aktiv werden.
  • Regen Sie die Kinder dazu an, inspirierende Orte zu erschaffen: Piratenhöhle, magische Schule oder Unterwasserwelt – alles ist erlaubt.
  • Wenn die Inspiration schwerfällt, sind Reizwortgeschichten für viele Kinder ein guter Einstieg.

Die ersten Ideen kommen? Hilfreich ist es, wenn die Kinder ihr Konzept mit Hauptfigur, Konflikt, Lösung und spannendem Ort in einen Satz verpacken. Dieser Satz hilft, zielgerichtet zu schreiben. Unterstützen Sie Ihr Kind oder Ihre Schülerinnen und Schüler beim Schreiben von Kurzgeschichten, indem Sie nachfragen: Passt das noch zu deinem Satz? Wie kommst du von hier zum geplanten Ende deiner Geschichte?

Mit diesen Tipps entwickeln Kinder Freude am kreativen Schaffensprozess – die vielleicht wichtigste Voraussetzung, um das Geschichtenschreiben zu lernen.