Ist die Grundschule frei wählbar?
Fast alle Bundesländer geben vor, welche Grundschule für Ihr Kind zuständig ist. Nach dem sogenannten „Schulsprengel-Prinzip“ werden schulpflichtige Kinder einer Grundschule in ihrer Nähe zugewiesen. Dadurch fallen zum einen meist die Schulwege kürzer aus, zum anderen bekommt jedes Kind garantiert einen Schulplatz. Nordrhein-Westfalen und Hamburg gehen in dieser Hinsicht Sonderwege: Dort ist die Grundschule komplett frei wählbar.
Auch in den anderen Bundesländern bedeutet das nicht, dass Sie bei der Auswahl der Grundschule nicht mitreden dürfen. Möchten Sie Ihr Kind auf eine private Grundschule („anerkannte Schule in freier Trägerschaft“) schicken, dann stellen Sie mit der Anmeldung bei der zugewiesenen Schule – diese ist zwingend nötig! – einen Antrag auf Umschulung an die gewünschte Schule. Grundsätzlich ist auch die Umschulung in eine andere staatliche Grundschule möglich, der Antrag muss jedoch gut begründet werden. Mögliche valide Gründe sind:
- Der Arbeitsort der Eltern macht eine andere Grundschule zur besseren Wahl.
- Der Schulweg wäre für das Kind unzumutbar.
- Die Betreuung kann nur durch den Besuch einer anderen Schule gesichert werden.
Bekommt eine Grundschule mehr Anmeldungen als freie Plätze vorhanden sind, muss eine Auswahl stattfinden. Wer Geschwisterkinder an der Wunschschule hat, ist im Vorteil. Eine Härtefallregelung ist für Kinder mit Behinderungen möglich. Nicht zuletzt wird auch der Schulweg berücksichtigt.
Tipp: Zu welcher Grundschule gehören wir? Diese Frage beantworten Grundschulfinder und ähnliche Serviceangebote der Städte und Gemeinden. Ansonsten hilft ein Anruf beim Bezirksamt oder Schulamt weiter.
Überblick: Welche Grundschulen gibt es?
Das Angebot an staatlichen und privaten Grundschulen ist groß. Die Schulen unterscheiden sich im Hinblick auf das pädagogische Konzept, Unterrichts- und Betreuungszeiten, Klassengrößen, Zusatzangebote, Inklusion und vieles mehr. Hier ein Überblick:
- Viele Schulen haben besondere Profile. Sie legen zum Beispiel den Fokus auf sprachliche, sportliche oder künstlerische Förderung. Mitunter steht zweisprachiger oder muttersprachlicher Unterricht zur Verfügung.
- Die Unterrichtszeiten liegen meist zwischen 8 und 13 Uhr. Ganztagsgrundschulen bieten Unterricht und Freizeitbeschäftigungen darüber hinaus an und ermöglichen durch ein Hortangebot von 6 bis 18 Uhr die Berufstätigkeit aller Erziehenden.
- Gemeinschaftsschulen verbinden Grundschule und weiterführende Schule. Ohne Schulwechsel können Lernende hier später den Mittleren Schulabschluss oder sogar das Abitur machen.
- Kinder mit Behinderungen oder Lernbeeinträchtigungen können von integrativen Grundschulen, Sonderschulen oder Förderschulen mit bestimmten Förderschwerpunkten profitieren.
- Außerdem gibt es Schulen mit religiöser Orientierung, insbesondere evangelische und katholische Grundschulen.
Bei der Schulwahl der Grundschule lohnt sich außerdem ein Blick auf das pädagogische Konzept. So arbeiten etwa Montessori-Grundschulen nach dem Prinzip „Hilf mir, selbst zu denken.“ Die Kinder sollen orientiert an ihrem individuellen Entwicklungsstand, ohne Druck und im eigenen Tempo lernen. Im Unterricht stehen das Ausprobieren und Erfahren im Mittelpunkt. Das Lernen ohne Druck ist auch ein wichtiger Pfeiler der Waldorfschulen. Der Unterricht ist sachbezogen, oft künstlerisch, handwerklich und schöpferisch fokussiert. Die übliche Bewertung mit Schulnoten entfällt.
Vorübungen zum Lesen und Rechnen lernen
7 Tipps für die Auswahl der Grundschule
Wir haben für Sie zusammengefasst, worauf Sie bei der Wahl der Grundschule achten können, damit die Bedürfnisse der ganzen Familie Berücksichtigung finden:
- Schwerpunkte bedenken: Sprachprofil, Förderschwerpunkt oder kleine Klassen? Was wünschen Sie sich für Ihr Kind und wo zeigt Ihr Kind möglicherweise jetzt schon Talente oder Unterstützungsbedarf?
- Betreuungszeiten sichern: Welche Grundschule ermöglicht Ihnen Ihre Berufstätigkeit?
- Infoveranstaltungen nicht verpassen: Viele Schulen bieten Infoabende oder einen Tag der offenen Tür an. Profi-Tipp: Fragen Sie die Kinder, die am Tag der offenen Tür helfen, nach ihren Erfahrungen – sie antworten in aller Regel ehrlich und vermitteln einen realistischen Eindruck vom Schulleben.
- Schulweg beachten: Ein kurzer Schulweg ist nicht nur für das Kind, sondern für die gesamte Familie entspannter.
- Freundinnen und Freunde befragen: Auf welche Grundschule gehen die Kinder aus der Kindergartengruppe? Ein gemeinsames Ankommen in der Schule empfinden viele Kinder als Erleichterung.
- Kosten erfragen: Privatschulen berechnen mitunter beachtliche monatliche Gebühren. Auch an staatlichen Schulen fallen Materialkosten, Kosten für Ausflüge etc. an.
- Atmosphäre kennenlernen: Letztendlich entscheiden die Atmosphäre und die Lehrkräfte darüber, wie wohl sich Ihr Kind an der Schule fühlt. Fragen Sie im Bekanntenkreis nach und lesen Sie Bewertungen im Internet.