Was ist eine Gemeinschaftsschule?
In den meisten Bundesländern verlassen die Kinder die Grundschule nach der vierten Klasse. Nur in Berlin und Brandenburg ist der Übergang an die weiterführende Schule nach der sechsten Klasse möglich. Viele Kinder und Eltern empfinden es als herausfordernd, sich so früh auf einen Bildungsgang festlegen – und die entsprechenden Noten erbringen – zu müssen.
Gemeinschaftsschulen ermöglichen es den Schülerinnen und Schülern hingegen, von der ersten Klasse an bis zum Schulabschluss in einem Klassenverband zu bleiben. Eine bundesweite klare Definition für die Gemeinschaftsschule gibt es zwar nicht, jedoch steht im Mittelpunkt das Ziel, dass Kinder unabhängig von ihrer sozialen Herkunft und ihren Voraussetzungen den bestmöglichen Schulerfolg erreichen. Chancengerechtigkeit ist ein wichtiges Stichwort.
Somit sind Gemeinschaftsschulen oft inklusiv und integrativ, und die Lehrkräfte bieten individuelle Förderung und starke Differenzierung an. Manche Schulen betreuen auch Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Ebenso nehmen Gemeinschaftsschulen aber Kinder ohne Einschränkungen auf.
Diese Vor- und Nachteile haben Gemeinschaftsschulen
Die Erfahrungen an Gemeinschaftsschulen sind sehr individuell und noch dazu je nach Bundesland unterschiedlich. Wenn es darum geht, ob Ihr Kind als Grundschule eine Gemeinschaftsschule besuchen soll, empfehlen wir Ihnen, den Tag der offenen Tür zu besuchen. Fragen Sie Lehrkräfte und vor allem auch Schülerinnen und Schüler nach ihren Eindrücken – Erfahrungsberichte aus erster Hand sind wertvoll.
Zusätzlich haben wir einige Vor- und Nachteile von Gemeinschaftsschulen im Überblick für Sie zusammengestellt.
Vorteile von Gemeinschaftsschulen
Gemeinsames Lernen und der lange bestehende Klassenverband bringen für viele Kinder Vorteile mit sich:
- Sozialer Zusammenhalt: Die Kinder kennen einander von der ersten Klasse an. Das schafft Vertrautheit, die gerade in der Zeit der Pubertät entlastend sein kann – wenn andere Kinder die Schule wechseln müssen.
- Weniger Leistungsdruck: Noten werden an Gemeinschaftsschulen bisweilen ausgesetzt oder erst in höheren Klassen erteilt. Auch die Entscheidung zur Schullaufbahn muss erst viel später getroffen werden.
- Individuelle Förderung: Die Klassen an Gemeinschaftsschulen sind oft sehr gemischt. Daher wird im Unterricht stark differenziert, Kinder werden individuell gefördert und lernen, mit den Stärken und Schwächen anderer umzugehen.
- Kooperatives Lernen: Gemeinschaftsschulen bieten häufig klassen- und jahrgangsübergreifenden Unterricht, Projekte, Wochenplan- oder Werkstattarbeit an. Unterricht wird bisweilen epochal erteilt (ähnlich wie an Waldorfschulen).
- Enge Zusammenarbeit: An Gemeinschaftsschulen besteht meist eine enge Zusammenarbeit zwischen pädagogischem Personal, Eltern und außerschulischen Kooperationspartnern.
Nachteile von Gemeinschaftsschulen
Mögliche Nachteile von Gemeinschaftsschulen ergeben sich aus den genannten Vorteilen, denn die großen Ziele sind nicht immer leicht zu erreichen:
- Hohe Anforderungen an die Lehrkräfte: Die unterschiedlichen Voraussetzungen der Lernenden machen es für Lehrkräfte nicht einfach, jedes Kind bestmöglich zu fördern.
- Mangelnde Spezialisierung: Sehr leistungsstarke oder sehr leistungsschwache Schülerinnen und Schüler erfahren möglicherweise an einer spezialisierten Schule (Förderschule, Gymnasium) eine bessere Förderung.
- Vergleichbarkeit schwierig: Eltern können die Leistungen ihrer Kinder im Vergleich zu Kindern mit Notenzeugnissen weniger einfach beurteilen, wenn nur eine verbale Bewertung stattfindet.
- Leistungsdruck bei Prüfungen: Da sie an Notendruck weniger gewöhnt sind, erleben Schülerinnen und Schüler bei Abschlussprüfungen eventuell einen stärkeren Leistungsdruck als Lernende an anderen Schulformen.
- Geduld notwendig: Für manche Eltern ist es eine Erleichterung, dass sie keine Entscheidung über die Schullaufbahn ihres zehnjährigen Kindes treffen müssen – andere mögen es als belastend erleben, dass die Entscheidung erst in der 9. oder 10. Klasse fällt.
Was bedeutet die Gemeinschaftsschule für das Kind?
Die Auswahl der Grundschule ist eine sehr individuelle Entscheidung. Hinzu kommt, dass mehrere Schulkonzepte in einem vereint sein können. Zum Beispiel sind Gemeinschaftsschulen häufig integrative Schulen oder Ganztagsschulen, was weitere Aspekte beim Auswählen hinzufügt.
Gemeinschaftsschulen bieten Ihrem Kind alle Möglichkeiten: Wenn eine Gemeinschaftsschule keine Grundschule hat, besteht in aller Regel eine Kooperation, sodass das Kind von Anfang an weiß, wohin es wechseln wird, und außerdem im Klassenverband bleibt. Gleiches gilt für den Übergang an eine gymnasiale Oberstufe, sofern die Gemeinschaftsschule nicht ohnehin bis zum Abitur begleitet. Alle Abschlüsse sind erreichbar.
Letztendlich kennen Sie Ihr Kind am besten und können entscheiden, ob die Vorteile einer Gemeinschaftsschule für Sie und Ihr Kind überwiegen.